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Curriculum und Lehrmethoden

Seit dem Wintersemester 2011/12 basiert das Curriculum des Studiengangs Humanmedizin der TUM auf einem neuen Curriculumskonzept. Hauptziel dieser Reform war eine Anpassung der Lehre an das moderne ärztliche Berufsbild und an die neuen Erkenntnisse der Medizindidaktik. Der Umfang an Seminaren und praktischen Kursen wurde kontinuierlich gesteigert, wobei die Vorlesung auf der Basis moderner didaktischer Methoden (interdisziplinär, Case based Learning, Converted Classroom und Team based Learning) weiterhin ein zentrales Element bildet.

Das Erlangen der Ärztlichen Handlungskompetenz soll durch die Vermittlung der drei Dimensionen Fachkompetenz, Wissenschaftskompetenz und Sozial- bzw. Selbstkompetenz erreicht werden.

Auch wenn sich das Curriculum weiterhin an den Fachdisziplinen orientiert, werden zentrale Lehrveranstaltungen interdisziplinär und problem- bzw. fallbezogen durchgeführt. Die Dimension "Fachkompetenz" wird durch zwei ineinandergreifende Lehr-Lernspiralen getragen: "Klinisches Denken" und "Klinische Fertigkeiten".

Klinisches Denken

Die kontinuierliche Interdisziplinäre Vorlesung (IVL 1 - 3) durch die ersten drei klinischen Studienjahre bildet die Basis des „Klinischen Denkens“:

1. und 2. klinisches Studienjahr:

  • „Klinische Pathophysiologie“ (IVL 1) schafft prinzipien- und fallbezogen den Transfer zwischen den wissenschaftlichen Grundlagen der Vorklinik und der Anwendung in der Klinik.
  • „Einführung in die klinische Medizin“ (IVL 1) sensibilisiert die Studierenden von Beginn an für wichtige und fächerübergreifende Themen der Medizin (wie Wissenschaftliche Praxis, Gesundheitswesen, etc.)
  • Bereits ab dem 2. Semester des 1. klinischen Studienjahres wird die „Systematische Krankheitslehre“ (IVL 2) über das gesamte 2. Klinische Studienjahr hindurch (insgesamt also über drei Semester) vermittelt: themen- bzw. organbezogen (Herz/Lunge – Blut – Niere – Gastrointestinal – Muskuloskelettal), im interdisziplinären Ansatz (Innere Medizin - Chirurgie/Orthopädie - Pathologie) systematisch, aber zugleich fallbasiert.


3. klinisches Studienjahr:
In den letzten zwei Semestern vor dem „Praktischen Jahr“ (PJ) wird die erworbene Systematik im Teil „Klinisches Management“ (IVL 3) anhand von Leitsymptomen (Brustschmerz, Gewichtsverlust, Fieber, etc.) wiederum interdisziplinär und fallbasiert mit Fokus auf die unmittelbare Anwendung im klinischen Alltag wiederholt und gefestigt.

Parallel zu den IVLs werden weitere klinisch propädeutische und klinische Fächer in fächerzentrierten Vorlesungen und Seminaren vermittelt. Auch diese streben zunehmend eine interdisziplinäre Ausrichtung an (z.B. Neurowissenschaften bestehend aus Neurologie und Neurochirurgie).

Schließlich unterstützen zentrale, strukturierte Lehrveranstaltungen im PJ, wie und ergänzende das fallbasierte, interaktive Seminar "Showtime" und das Examenscoaching "UltimaTUM" das praktische Training in der Klinik und dienen auch als optimale Vorbereitung auf das mündliche Staatsexamen M3.

Klinische Fertigkeiten

Übersicht Curriculum Klinische Fertigkeiten

 

  • 1. Klinisches Studienjahr: Im studentischen Tutorium „Ärztliche Basisuntersuchung“, das speziell ausgebildete und geprüfte studentische Tutoren aus dem PJ durchführen – werden die grundlegenden und essentiellen Fertigkeiten der körperlichen Untersuchung systematisch gefestigt. Im durch Fachärzte vermittelten Kurs „Spezialuntersuchungen“ werden diese Fertigkeiten weiter vertieft.

 

  • Im 2. Klinischen Studienjahr steht mit dem „Bedside Teaching“ die fokussierte und praktische Auseinandersetzung mit individuellen Patienten und deren Krankheitsbildern im Vordergrund. Die Studierenden werden im Rotationsprinzip in verschiedenen Abteilungen mit den häufigsten Krankheitsbildern direkt konfrontiert.

 

  • In den sogenannten Blockpraktika und Praktikumstagen im 3. Klinischen Studienjahr („Integration Alltag“) werden die Studierenden über mehrere Tage bis Wochen in Kleingruppen in den Klinikalltag integriert. Parallel dazu wird in Seminaren und Praktika das täglich Gesehene gefestigt und vertieft.

 

  • Seit dem Wintersemester 2014/15 ist "Simulation I" als Baustein in den praktischen Teil des Curriculums integriert. Dieser zieht sich durch den kompletten klinischen Abschnitt und beinhaltet Themen wie Hygiene, Stationsmanagement und Akute Lebensgefahr. Alle Kurse werden im eigens dafür gebauten Simulationszentrum (TUM Medical Training Center) abgehalten. Für die Zukunft sind noch weitere Kurse geplant. Außerdem werden für Studierende die im Praktischen Jahr sind, sogenannte "Akademien" angeboten (Simulation II), um das Wissen und Können weiter zu vertiefen sowie das Interesse zu fördern: Akademie Akutmedizin, Akademie Sprechende Medizin, Interventionelle Akademie, Operative Akademie, Unternehmerische Akademie.

 

  • Im abschließenden Praktischen Jahr („Leben und Lehren“) bietet sich den Studierenden schließlich die Gelegenheit, ihr klinisches Denken und ihre Fertigkeiten im klinischen Alltag eins-zu-eins und als vollwertiges Mitglied eines klinischen Teams anzuwenden. Im Rahmen des vom Ministerium geförderten „Kompetenzzentrums PJ“ an unserer Fakultät konnten über die letzten Jahre verschiedene Instrumente (PJ- Logbuch, Refreshtag für klinische Fertigkeiten, Interaktive Fallbasierte Seminare etc.) entwickelt werden, die den Studierenden auch in diesem letzten Jahr eine strukturierte und supervidierte Ausbildung ermöglichen.

 

Die Curriculumsreform brachte auch erste Neuerungen im fächerübergreifenden Bereich der „Schlüsselkompetenzen“: Aus dem seit einigen Semestern erfolgreich interdisziplinär durchgeführten Kurs „Ärztliche Gesprächsführung“ entstand ein über alle klinische Studienjahre führendes „Kommunikationscurriculum“. Dieses Curriculum wird die Studierenden mit Hilfe von Simulationspatienten in den verschiedensten Aspekten der Arzt-Patienten-Kommunikation trainieren, so z.B. in Prinzipien der Gesprächsführung, Umgang mit Emotionen und Tabuthemen und der Vermittlung schlechter Nachrichten. Schließlich sollen aber auch Themen der Team- und Selbstregulation angesprochen werden.